In einer Beziehung bedeutet gutes Verständnis nicht automatisch, dass Sie einer Meinung sein müssen. Zwei Menschen können dieselbe Situation völlig unterschiedlich erleben und trotzdem beide mit ihrer Wahrnehmung richtig liegen.
Vielleicht fühlt sich einer von Ihnen vernachlässigt, während die/der andere das Gefühl hat, alles für die Beziehung zu tun. Eine:r braucht Nähe, die/der andere gerade Ruhe. Eine:r empfindet eine Aussage als verletzend, während die/der andere sie gar nicht so gemeint hat.
In solchen Momenten entsteht schnell der Wunsch, den Partner oder die Partnerin von der eigenen Sichtweise zu überzeugen. Doch genau das kann einen Konflikt verschärfen.
Verstehen bedeutet nicht: „Du hast Recht.“
Verstehen bedeutet: „Ich kann nachvollziehen, warum Du das so empfindest.“
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Was passiert, wenn Sie sich nicht einig sind?
Manchmal reicht Verständnis allein nicht aus. Sie können die Gefühle und Argumente Ihres Partners nachvollziehen und trotzdem zu einer anderen Schlussfolgerung kommen.
Dann geht es nicht mehr darum, wer Recht hat. Es geht darum, wie zwei unterschiedliche Bedürfnisse miteinander vereinbart werden können.
Fragen Sie sich deshalb:
Worin sind wir uns einig – und was wollen wir gemeinsam?
Vielleicht sind Sie sich beide einig, dass Ihre Beziehung wichtig ist, aber nicht darüber, wie viel gemeinsame Zeit Sie brauchen. Vielleicht verstehen Sie beide, warum der andere verletzt ist, bewerten das ursprüngliche Verhalten aber trotzdem unterschiedlich.
Diese Unterschiede müssen nicht sofort verschwinden.
Was Paaren dann helfen kann:
Nicht weiter überzeugen wollen.
Wenn beide ihre Sicht erklärt haben, bringt es oft wenig, dieselben Argumente immer wieder zu wiederholen. Manchmal darf ein Unterschied einfach bestehen bleiben.
Das gemeinsame Ziel benennen.
Fragen Sie nicht nur: „Wer hat Recht?“, sondern:
„Was brauchen wir beide, damit es uns mit dieser Situation besser geht?“
Einen Weg finden.
Nicht jeder Konflikt lässt sich so lösen, dass beide genau das bekommen, was sie möchten. Ein guter Weg ist manchmal ein guter Kompromiss, bedeutet, dass beide ein Stück aufeinander zugehen – auch um Gemeinsames wieder mehr in den Vordergrund zu stellen.
Unterschiedliche Bedürfnisse akzeptieren.
Nicht jede Differenz muss gelöst werden. Manche Unterschiede gehören einfach dazu, weil Sie zwei unterschiedliche Menschen sind. Entscheidend ist, ob Sie respektvoll damit umgehen können.
Eine Pause machen.
Wenn die Emotionen zu stark werden, kann eine Pause sinnvoller sein als ein weiteres Gespräch. Wichtig ist, nicht einfach wegzugehen, sondern klar zu sagen:
„Ich möchte darüber weiterreden. Ich brauche gerade nur etwas Zeit, um wieder ruhig zu werden.“
Am Ende geht es nicht darum, einer Meinung zu sein
Eine starke Partnerschaft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass beide immer dasselbe denken. Sie zeigt sich darin, dass Sie sagen können:„Ich verstehe Deine Sicht. Ich sehe es dennoch anders. U N D ich möchte gemeinsam mit Dir eine Lösung finden.“
Denn Verständnis ist nicht das Ende eines Konflikts. Es ist oft erst der Anfang.
Wenn Sie akzeptieren, dass Sie sich verstehen können, ohne sich einig zu sein, entsteht etwas sehr Wertvolles:
Verbindung.
Ihre Heide Schlüter
